
Die richtige Ernährung
allergiegefährdeter Kinder
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Empfehlungen zu einer altersabhängigen Basis- und Aufbauernährung
für Säuglinge und Kleinkinder mit nahrungsmittelverknüpfter
Neurodermitis -
| Während im Erwachsenenalter Nahrungsmittelallergien für die Provokation einer Neurodermitits nur bei einer kleinen Untergruppe der Patienten eine Rolle spielt (16), weisen im Kindesalter etwa 30% bis 50% aller Neurodermitiker eine Nahrungsmittelallergie auf (5,24).Von Kindern, die eine Neurodermitis entwickeln, erkranken bereits 75% im ersten Lebensjahr und 85% innerhalb der ersten fünf Lebensjahre. Einer vorbeugenden und gezielt ausgesuchten Kost und Nahrungsaufbau kommt somit im Säuglings- und Kindesalter eine entscheidende Bedeutung zu. | ![]() |
Die Einhaltung einer allergenarmen Kost während der Schwangerschaft ist nicht nötig.(2,3,20)
Die Einhaltung einer mütterlichen allergenarmen Kost während der Stillzeit (Verzicht auf Milch, Ei, Fisch, Erdnuß, Soja) wird nur bei Hochrisikokindern empfohlen, d.h. wenn beide Elternteile unter allergischen Erkrankungen (Neurodermitis) leiden (23).
Nach Geburt Ihres Kindes sollten Sie es mindestens vier bis sechs Monate lang ausschließlich stillen, ohne andere Nahrungsmittel beizufüttern, insbesondere keine anderen Milchprodukte (1,4,21).
Bei neurodermitisgefährdeten Säuglingen, denen Muttermilch nicht zur Verfügung steht, oder die Muttermilchproduktion nicht ausreicht, sollte mit sogenannten "H.A." (d.h. HypoAllergenen) Milchnahrungen gefüttert werden.
Bei Unverträglichkeit gegen diese Produkte oder gesicherter Kuhmilchallergie müssen Sie auf sogenannte "Semielementarnahrung" ausweichen (6,17), die Sie unter verschiedenen Handelsnamen in Apotheken kaufen können. Diesbezüglich haben sich in jüngst veröffentlichten Untersuchungen insbesondere Kasein-Hydrolysate als besonders günstige allergievorbeugende Säuglingsnahrung für Hochrisikokinder herausgestellt (7,23).
Die HA Nahrung und die Semielementarnahrung können auch nach dem Abstillen den Säuglingen und Kleinkindern weiter als Milchersatz angeboten werden.
Nach dem 6. Lebensmonat aber vermögen Muttermilch oder die Milchersatznahrungen nicht mehr den Energie- und Nährstoffbedarf des wachsenden Kindes zu decken (8) und ihr Kind braucht eine Aufbaunahrung.
Mit dem 7. Lebensmonat sollte zunächst mit Kartoffeln, Gemüse und Obst in ansteigenden Mengen begonnen werden. Das neue, Ihrem Kind gegebene Nahrungsmittel sollte in täglich langsam ansteigenden Mengendosierungen für je eine Woche auf seine Verträglichkeit getestet werden. Die Gesamtdosis des getesteten Nahrungsmittels sollte gegen Ende der Testwoche ungefähr der durchschnittlichen täglichen Einnahme entsprechen, die ein Kind zur Sättigung benötigt (18).
Wurde dieses neu gefütterte Nahrungsmittel gut vertragen, können Sie in der nächsten Woche ein weiteres Nahrungsmittel zufüttern, auch wieder in täglich langsam ansteigenden Mengendosierungen über eine Woche. So ergänzen Sie langsam wochenweise die Aufbaunahrung Ihres Kindes (siehe Abbildung Seite 3).
Auf Kuhmilch und Produkte, Sojamilch,
Eier und Fisch sollte aufgrund
der hohen Allergenität in den ersten 12 - 18 Lebensmonaten
vollständig verzichtet werden und erst später nach Überprüfung
der Verträglichkeit zugefüttert werden (9,10,11). Gleiches gilt für Citrusfrüchte
(Mandarine, Orange, Apfelsine, Grapefruit, Limone, etc) und deren Säure,
die Citronensäure (z.B. häufig
als Geschmacksverstärker in vielen Fruchtsäften) und Nüsse
(Erdnuß!, Haselnuß, Walnuß, etc).
Weizen und Produkte die aus Weizenmehl
hergestellt werden, sollten erst gegen Ende des ersten Lebensjahres probiert
werden, z.B.: alle Weiß- und Graubrotsorten (außer mit der Angabe
100% Roggenanteil) Zwieback, Bisquits, Waffeln, Kuchen, Teigwaren aller Art
wie Spaghetti, Spätzle.
Die vorgenannten Nahrungsmittel (Kuhmilch, Eier, Fisch, Soja, Nüsse, Weizen) sind für nahezu 90% aller Nahrungsmittelallergien bei Kindern mit Neurodermitis verantwortlich (5).
Als Getränke können Sie, je nach Verträglichkeit der einzelnen Obst- und Gemüsesorten, mit Wasser verdünnte Obst- und Gemüsesäfte anbieten.
Ebenso geeignet ist Mineralwasser, dies sollte kalzium- und magnesiumreich und kohlensäurearm sein.
Als Tee werden allergenarme Sorten, wie Stiefmütterchentee und echter Kamillentee empfohlen. Allergisierende Teesorten, wie Fenchel-, Kümmel- oder Anistee sind zu vermeiden.
Auf Würzen und Gewürze sollte im Kindesalter weitestgehend verzichtet werden. Als allergiesierende Gewürze sind insbesondere die Nachtschattengewächse (Paprika, Chilli und Chayennepfeffer) zu meiden (12). Als Alternative kann ein Erwachsener bei Verlangen auf schwarzen oder weißen Pfeffer, auf Muskat und Lorbeer ausweichen. Gegen Salz gibt es in jedem Lebensalter keine Einwände.
Auf Zucker braucht nicht verzichtet zu werden, da wie neue Untersuchungen zeigen konnten (5,19,22) Zucker zu keiner Verschlechterung einer Neurodermitis führt.
Sollte Ihr Kind in den ersten 6 - 18 Lebensmonaten ein Nahrungsmittel nicht vertragen haben, bedeutet das nicht ein lebenslanges Verbot dieses Nahrungsmittels. Vielmehr ist das Immunsystem Ihres Kindes noch nicht ausgereift, und noch lernfähig, so daß bei einer aufgetretenen Nahrungsmittelallergie ein Verbot für dieses Nahrungsmittel nur für ein bis zwei Jahre angebracht ist. Danach kann das ehemals nicht vertragene Nahrungsmittel - nach Absprache mit Ihrem Arzt - erneut probiert werden (20).
Generell
ist die Prognose für Kinder mit Nahrungsmittelallergie günstig:
In der Regel entwickelt sich innerhalb weniger Jahre eine Toleranz (die Allergie
wächst sich aus) und rund 80 % der Kinder
werden bis zum Schulalter symptomfrei.
(13).
Ausgenommen
hiervon sind Unverträglichkeiten gegenüber Citrusfrüchten,
und Allergien auf Erdnüsse und
Fisch, die in der Regel lebenslang bestehen
bleiben. Diese Nahrungsmittel sollten daher auch von älteren Kindern
und erwachsenen Neurodermitispatienten gemieden werden.
Auch die im Erwachsenenalter neu erworbenen Allergien gegenüber Nahrungsmitteln scheinen lebenslang anzuhalten. (14,15)
Aufbaunahrung
für Kinder mit Neurodermitits
- modifiziert in Anlehnung an (8)-
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© 10.2005 - Dr. med. Frank Latzke, Burgstr. 11, 63755 Alzenau
Tel. 06023/970253
Bild
mit freundlicher
Genehmigung der Deutschen Haut-und Allergiehilfe e.V.
Teile der
Praxisinformation entstanden mit freundlicher Unterstützung von Dipl.-Oecotrophologin
Monika Brenz-Rickert, Forum für Ernährungsberatung, Aschaffenburg.
Die Ziffern in Klammern beziehen sich auf die Literaturquellen.