Wie funktioniert eine
Hyposensibilisierung ?

 

Die Hyposensibilisierung kann als eine „Allergieimpfung“ verstanden werden und stellt die zur Zeit einzige ursächliche Behandlungsmöglichkeit einer Allergie gegenüber Pollen, Hausstaubmilben und Insektengiften (Biene, Wespe) dar. Gerade bei einer Insektengiftallergie (Biene, Wespe) kann die Einleitung einer Hyposensibilisierungsbehandlung für die betroffenen Patienten lebensrettend sein. Unbehandelt führen Insektengiftallergien in Deutschland zu 10 bis 20 Todesfällen pro Jahr.

Eine Hyposensibilisierung ist bereits bei Kindern ab dem 6. Lebensjahr möglich, und scheint gerade im Kindesalter möglicherweise auch besonders erfolgversprechend zu sein. Gerade neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass durch eine Hyposensibilisierung des allergischen Heuschnupfens im Kindesalter sowohl die Ausweitung des Allergenspektrums wie das Auftreten eines Bronchialasthmas signifikant vermindert werden kann.

 

Hyposensibilisierung bei Pollenallergie (Heuschnupfen)

Eine Pollenallergie (Heuschnupfen) wird durch die Blütenstäube bestimmter Bäume und Sträucher ausgelöst. In Deutschland sind die Pollen von Birke, Erle, Hasel, Gräser und Roggen sowie Beifuß besonders häufig für Allergien verantwortlich. Die kleinen Pollenkörner werden durch den Wind mühelos bis zu 500 km weit getragen und sind somit während der Blütezeit fast überall anzutreffen. Ausführliche Informationen und Empfehlungen zur Pollenflugsaison habe ich für Sie in meiner Praxisinformation Thema 18: „Heuschnupfen – was rate ich meinen Patienten.“ zusammengestellt.

Konnte man früher Beschwerden mit Medikamenten nur hinterherlaufen, wurde in den letzten 20 Jahren zunehmend die Methode der Allergieimpfung (Hyposensibilisierung) weiterentwickelt, die als einzige Therapie die Ursache der Allergie bekämpft, vergleichbar einer Tetanusimpfung als vorbeugender Schutz vor einer Tetanusinfektion (Wundstarrkrampf).

Diese Hyposensibilisierung bei einer allergischen Reaktion gegenüber Pollen sollte erfolgen, wenn:

  • Ihre Beschwerdesymptomatik jährlich zunimmt,
  • Ihre Beschwerden nur ungenügend auf eine medikamentöse Therapie ansprechen,
  • Ihre Beschwerdesymptomatik mit Atembeeinträchtigung (bronchialen Symptomen) einhergeht.

Nur die rechtzeitige Einleitung einer Hyposensibilisierung kann den gefürchteten Etagenwechsel von einem Heuschnupfen (obere Atemwege) in den Übergang eines allergischen Asthmas (untere Atemwege) verhindern. Eine frühzeitige Hyposensibilisierung, insbesondere bei bereits beginnenden bronchialen Symptomen wird heute auch von der WHO als Therapie der ersten Wahl angesehen.

Bezüglich der Hyposensibilisierung auf Pollen sind zwei verschiedene Behandlungsformen möglich. Zum einen die sogenannte praesaisonale Hyposensibilisierung, das heißt eine Behandlung, die mit 8 Spritzen vor Beginn der Pollensaison durchgeführt wird. Zum anderen die sogenannte kosaisonale Therapie, hier wird die Hyposensibilisierungsbehandlung während des ganzen Jahres durchgeführt. Welche der beiden Behandlungsmöglichkeiten für Sie geeigneter ist, entscheidet Ihr Arzt für Ihren individuellen Fall, nach Analyse der Symptome und der diagnostischen Ergebnisse.
Bei beiden Behandlungsformen beträgt die Dauer der Hyposensibilisierung insgesamt 3 bis 5 Jahre.

Hyposensibilisierungsbehandung bei Insektengiftallergie (Biene, Wespe)

 

Noch immer wird die Gefährlichkeit von Insektengiftallergien stark unterschätzt. Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zum Stich, so ist dies für normal empfindliche Menschen zwar schmerzhaft, für Insektengiftallergiker dagegen lebensgefährlich. Bei einer Insektengiftallergie können sowohl nur lokale Symptome auftreten (starke Schwellung, Juckreiz, Rötung), als auch schwerste systemische Reaktionen mit tödlichem Herz-Kreislauf-Versagen; so sterben in Deutschland jährlich 10-20 Patienten an den Folgen einer Insektengiftallergie (wahrscheinlich zusätzlich hohe Dunkelziffer!).
Die häufigsten Stiche mit allergischen Reaktionen werden durch Bienen und Wespen ausgelöst. Bienen erkennt man an ihrem braunen Hinterleib und der starken Behaarung. Da Bienen im Volk überwintern, kann es auch im Winter schon bei wärmerem Wetter zu Ausflügen und somit zu Stichreaktionen kommen. Die meisten Bienenstiche erfolgen allerdings im Frühsommer.
Bei Wespen dagegen überwintert nur die Königin, so dass Stichereignisse im Winter selten sind. Die meisten Wespenstiche erfolgen im Spätsommer. Typische Merkmale der Wespe sind die sprichwörtliche Wespentaille und die auffällig gelb-schwarze Bänderung. Bei einem Stichereignis verlieren Bienen in der Regel ihren Stachel, während Wespen den Stachel aus der Haut zurückziehen können.
Allergische Reaktionen nach einem Bienenstich verlaufen deutlich schwerer, was auch darauf zurückzuführen ist, dass Bienen bei ihrem Stich 10-mal mehr Gift in der Haut hinterlassen, als Wespen.
Die einzige ursächliche Behandlung einer Insektengiftallergie besteht in einer Hyposensibilisierung.
Eine Hyposensibilisierung sollte erfolgen, wenn Sie nach einem Stich neben der lokalen Reaktion um die Einstichstelle:

  • auch systemische Reaktionen zeigen (Schwellungen im Mund, Schluckbeschwerden, Atemnot, Übelkeit und Erbrechen, Kreislaufabfall, Kollaps).

Die Hyposensibilisierung wird anfangs (außerhalb der Insektenflugzeit) im wöchentlichen Rythmus durchgeführt, später dann im 4-Wochen-Rythmus. Als Dauer der Hyposensibilisierungsbehandlung werden heute (3 bis) 5 Jahre empfohlen.


Honigbiene

 

 


Wespe

Auch während der laufenden Hyposensibilisierungstherapie sollten Sie das Ihnen verordnete Notfallset immer bei sich tragen, um im Falle beginnender allergischer Symptome nach einem Stich sofort reagieren zu können. Siehe hierzu auch die Praxisinformation Thema 5: Notfallverhalten bei Insektengiftallergie. Obwohl mehr als 80-90% der Insektengiftallergiker nach abgeschlossener Hyposensibilisierung vollständig geschützt sind, wird empfohlen, auch nach Abschluss der Therapie zur Sicherheit immer ein Notfallset mitzuführen.

Hyposensibilisierung bei Hausstaubmilbenallergie


Symptome einer Hausstaubmilbenallergie zeigen sich klinisch als Heuschnupfen mit Niesattacken, Nasenlaufen, behinderter Nasenatmung und evtl. bronchialen Reaktionen, wie Husten oder Atemnot.
Milben leben im Hausstaub und ernähren sich hauptsächlich von menschlichen Hautschuppen, (aber auch von Schimmelpilzen und Nahrungsresten.) Die täglich anfallenden Hautschuppen eines einzigen Menschen dient dabei einer Million Milben als Tagesbedarf an Nahrung. Die Hausstaubmilben finden sich vorwiegend in Matratzen und Bettzeug (Kissen,Decken). Vom Bett aus dehnt sich die wachsende Milbenbesiedlung über das gesamte Schlafzimmer und den weiteren Wohnraum aus ( Polstermöbel und Teppiche).

Hausstaubmilbe


Das eigentliche Allergen der Hausstaubmilbe ist der Milbenkot, dessen Menge mit dem Nahrungsmittelangebot für die Milben (im wesentlichen abgeschilferte Hautschuppen), steigender Raumtemperatur und erhöhter Luftfeuchtigkeit zunimmt (feuchtwarmes Klima). Wichtigste Maßnahme bei einer Milbenallergie ist die Sanierung des häuslichen Bereiches; hierzu habe ich für Sie ausführliche Informationen in meiner Praxisinformation Thema 8: „Sinnvolle Sanierungsmaßnahmen für Patienten mit Hausstaubmilbenallergie“ zusammengestellt.
Eine mögliche Therapie der Milbenallergie besteht in der Hyposensibilisierung.
Eine Hyposensibilisierung sollte in jedem Fall durchgeführt werden, wenn sie trotz getroffener Sanierungsmaßnahmen auf die Hausstaubmilben:

  • eine permanente antiallergische Therapie benötigen,
  • oder wenn sich bei Ihnen Zeichen eines beginnenden Asthmas entwickeln (nächtlicher Husten, Anstrengungsasthma).

Die Behandlung wird anfangs wöchentlich durchgeführt, später alle 4 Wochen, wobei sich die Dauer der Behandlung insgesamt über 3 Jahre erstreckt.

Für alle Hyposensibilisierungsbehandlungen sollten Sie folgende Punkte beachten:

  1. Erscheinen sie regelmäßig zu dem mit Ihrem Arzt vereinbarten Termin. Größere Zeitabstände zwingen zu einer Reduktion der Dosis, wodurch die Therapiedauer verzögert wird und der Erfolg in Frage gestellt werden kann. Kinder bis zu 12 Jahren kommen in Begleitung Erwachsener.

  2. Die Hyposensibilisierungslösung (maximal 1ml) wird mit einer sehr dünnen Nadel unter die Haut Ihres Oberarmes injiziert. Berichten Sie Ihrem Arzt vor jeder Spritze über die Verträglichkeit der vorhergehenden Injektion.Die Injektion sollte – entsprechend den Empfehlungen des staatlichen Paul-Ehrlich-Institutes für Sera und Impfstoffe – ausschließlich durch Ihren Arzt erfolgen.

  3. Bei einer bei Ihnen auftretenden Infektion, z.B. Grippe, Mandelentzündung, etc. muß die Behandlung kurzfristig unterbrochen werden; bitte informieren Sie Ihren Arzt in einem solchen Fall vorab Ihres regulären Termins telefonisch, um einen neuen Termin abzustimmen.
    Für planbare Impfungen (z.B. Tetanus, Polio, etc.) wird empfohlen, dass zwischen der Hyposensibilisierungsinjektion und der Impfung ein Mindestabstand von einer Woche einzuhalten ist; stimmen Sie daher bitte eine solche Situation mit Ihren behandelnden Ärzten ab.
    Im Falle einer Schwangerschaft ist dies unbedingt Ihrem behandelnden Arzt mitzuteilen, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

  4. Teilen Sie Ihrem Arzt bitte mit, ob sie gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln behandelt werden. Eine Therapie mit Betablockern (auch in Augentropfen) stellt in jedem Fall eine Kontraindikation für die Hyposensibilisierung dar. Im Falle einer Insektengifthyposensibilisierung dürfen außerdem auch keine ACE-Hemmer eingenommen werden. Nehmen Sie solche Medikamente ein, müßte Ihr Arzt vor Beginn der Therapie mit Ihrem Hausarzt Rücksprache nehmen, um zuvor die Medikamente umzustellen.

  5. Folgende Nebenwirkungen könnten nach einer Spritze auftreten: örtliche Schwellung der Einstichstelle, Juckreiz, Nesseln, Schleimhautschwellungen der Augen und Nase mit vermehrter Sekretbildung, Juckreiz und Niesattacken, Schwellungen im Hals und der Zunge mit Heiserkeit und Schluckbeschwerden, Atembeschwerden, Übelkeit und Erbrechen, in seltenen Fällen Blutdruckabfall mit Herz- und Kreislaufversagen (anaphylaktischer Schock). Diese Beschwerden könnten Sofortreaktionen auf die Spritze sein, die umgehend behandelt werden müssen. Aus diesem Grund müssen Sie nach der Spritze noch 30 Minuten in der Arztpraxis verweilen, um eventuell auftretende Nebenwirkungen abzuwarten. Eine solche Nebenwirkung kommt jedoch nur bei jeder 1000. Spritze vor, ein lebensbedrohlicher Kreislaufschock nur bei jeder 10.000. Spritze.

  6. Nach einer Wartezeit von 30 Minuten kommen sofort behandlungsbedürftige Nebenwirkungen nur noch selten vor. So kann es gelegentlich zum Auftreten von Müdigkeit kommen, die Ihre Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt. Bei einer Schwellung um die Einstichstelle können Sie Ihren Oberarm mit einem feuchtkühlenden Umschlag abdecken. Eine Neurodermitis kann sich vorübergehend verschlimmern. Verstärkte Nebenwirkungen könnten durch heißes Duschen oder Baden, körperliche Anstrengung (Sport) oder Alkohol gefördert werden, so daß sie dies für den Rest des Tages meiden sollten.

  7. Sollten nach Verlassen der Arztpraxis im Laufe des weiteren Tages unklare oder unerwünschte Beschwerden auftreten, suchen/informieren Sie unverzüglich die Praxis oder den am nächsten gelegenen Arzt .

 

© 2018 - Dr. med. Frank Latzke, Burgstr. 11, 63755 Alzenau
Tel. 06023/970253

Die vorliegende Patienteninformation meiner Praxis wurde für Sie nach dem heutigen Stand des ärztlichen Wissens auf der Basis der aktuellen medizinischen Fachliteratur erstellt.

Bild 2,4 mit freundlicher Genehmigung der ALK-Scherax Arzneimittel GmbH
Bild 3 (Wespe) mit freundlicher Genehmigung von Dipl. Biol. Volker Mauss, Zentrum für Wespenkunde

 

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